Kannst Du mal eben was lettern?

Liebe Letterer,

die Frage „Kannst Du mal eben das-und-das lettern?“ hat sicherlich jede/r von uns schon einmal gehört. Es gibt Menschen in meinem Leben, für die ich gerne etwas schreibe. Meine Familie, meine Kollegen und andere, die das zu schätzen wissen haben schon alle Karten und Sprüche gelettert bekommen. Vor geraumer Zeit ist folgendes passiert:

Ein Bekannter von mir arbeitet als Mediengestalter und hat begonnen für Musiker T-Shirts und ähnliches zu entwickeln. Ihm kam dann die Idee, dass es im Falle des T-Shirts für diesen einen Künstler ein Handlettering ganz toll wäre. Also fragte er:

„Kannst du mal eben den Namen des Künstlers lettern?“

Na klar hab ich das gemacht, für mich ist das kein Hexenwerk, eingescannt, geschickt, einen Pullover versprochen bekommen FALLS das was würde und VIELLEICHT ein Shoutout auf Instagram. So gut, so schön. Eine Weile später kam ein Dreizeiler via Facebook: „Schau mal hier, der Künstler hat das Motiv angenommen und jetzt wird der Pulli mit Deinem Lettering gedruckt.“ Wie schön.

Ratet, was dann passiert ist!

Nichts! Genau!

In meinem ganzen Umzugsstress ist das Thema dann ein bisschen weggerutscht und irgendwann begegnet mir das Instaprofil des Künstlers, der einen Pulli mit meinem Schriftzug trägt. Der Künstler hat in der Zwischenzeit etwas über 70k Follower und weiß wahrscheinlich gar nichts von dieser ganzen Geschichte. Ich hatte dann mal bei dem Mediengestalter nachgefragt, aber auch diese Erinnerung ist irgendwie im Universum verhallt. Es wäre gerade so viel zu tun. Ach!

Ich ärgere mich darüber grün und blau. Darüber, dass ich in meiner Gutmütigkeit solche Sachen mache und noch viel mehr über die mangelnde Moral desjenigen, der sich meinen Schriftzug hat geben lassen, sich seine Arbeit hat bezahlen lassen und über meinen Anteil (wie klein er auch sein mag) schweigt und ihn nicht würdigt. Ich nehme an, und ich betone nochmal, dass ich das annehme und nicht weiß, ob das wirklich so war, dass der Künstler nicht einmal informiert wurde, dass das ein handgemachter Schriftzug ist, der ihm da präsentiert wurde. Und schon gleich gar nicht darüber, dass es nicht derjenige welche gelettert hat, der den Rest entworfen hat.

Ähnliche Sachen sind mir in der Zwischenzeit schon öfter passiert. Was ist nur los mit diesen Menschen? Vielleicht wisst Ihr eine Antwort.

Es grüßt grummelig

Judith

Und keine Sorge! Das Karma wird es richten!

13 Gedanken zu „Kannst Du mal eben was lettern?

  1. So geht es mir als freiberufliche Texterin auch öfter. Ich bekomme dann gesagt „Du schreibst ja sowieso gerne.“ Na klar tue ich das. Aber hinter jedem Text verbirgt sich Unmengen an Hirnschmalz. Das wird bei diesen Anfragen nicht gewürdigt. Habe mir fest vorgenommen mehr business-like vorzugehen. Mal sehen…

      1. ich rate dir zu einem kurzen, netten schreiben als vordruck, das dann jeder standardmäßig, ob familie, freund oder fremder unterschreibt, in dem ihr festhaltet, dass das werk euch gehört und ihr die private nutzung gestattet.
        quasi als formular, in das ihr den betreffenden eintragt, das datum und am besten ein foto vom werk.
        die, die dich mögen und schätzen, werden es verstehen; die, die anderes vorhaben werden aufmerksamer sein.

  2. So geht es mir als freiberufliche Texterin auch öfter. Ich bekomme dann gesagt „Du schreibst ja sowieso gerne.“ Na klar tue ich das. Aber hinter jedem Text verbirgt sich Unmengen an Hirnschmalz. Das wird bei diesen Anfragen nicht gewürdigt. Habe mir fest vorgenommen mehr business-like vorzugehen. Mal sehen…

  3. Ungläubiges Kopfschütteln von meiner Seite
    Ich habe das Gefühl, dass in den letzten Jahren die Menschen egoistischer geworden sind. Ich beobachte es in vielen Alltagssituationen und vor allem im Straßenverkehr…
    Alles ist selbstverständlich geworden… natürlich ohne bitte und danke…

    Fühl dich gedrückt
    Alles Liebe Mary-Ann

  4. Liebe Judith,
    ich weiß gar nicht ob man dem Fragesteller so einen großen Vorwurf machen kann. DU als Lettering-Profi – und ja, du bist einer – müsstest die Vorgabe geben und sagen, ob du dafür etwas haben möchtest, oder ob du das umsonst machst. Ich habe mir, um solche kleinen Faux-Pas zu vermeiden, einen Projektanfragebogen erstellt. Den fülle ich immer aus, wenn eine Anfrage für eine Illustration oder ein Lettering bei mir eintrudelt – egal ob für Freunde, Familie, oder geschäftlich. Hierauf notiere ich mir alle wichtigen Hintergrundinformationen und Wünsche ( ich bin vergesslich). Anschließend schaue ich mir den Bogen an und überlege mir, ob ich das noch umsonst machen oder ob ich dafür etwas verlangen möchte. Du solltest auf keinen Fall gleich „ja mache ich!“ rufen. Das ganze hat ja auch ein bisschen mit Wertschätzung zu tun: was bist du dir wert und was ist dir deine Arbeit oder dein Lettering wert?
    Und denke auch an alle, die damit ein bisschen was verdienen wollen. Ihnen entziehst du so die Grundlage für ordentlich Preisverhandlungen.
    Und: das war ganz und gar nicht ok von deinem Bekannten. Er hätte einen ordentlichen Stundensatz und natürlich jede Menge Nutzungsrechte bezahlen müssen. Ich denke mal, das wusste er auch.

    1. Hey Angi, die ganze Geschichte liegt schon eine Weile zurück und ich komme erst langsam auf die Idee, dass ich tatsächlich zu den Profis zähle (Und auch jetzt hadere ich mit diesem Wort). Für mich war das bislang ein Hobby und die Freude, dass jemand ein Werk von mir haben wollte, hat oft überwogen. Allerdings haben alle anderen sich an einen gewissen Ehrenkodex gehalten. Das fehlte hier. Da schwingt auch eine Portion persönliche Enttäuschung mir.

  5. Viele vergessen einfach, dass unsereins ja sein Geld (ob teilweise oder hauptberuflich, völlig egal) damit verdient! Einem Freund, der Zahnarzt ist, bezahlt man schließlich auch die Rechnung! Nur, weil wir Spaß an der Arbeit haben, heißt es nicht, dass alles gratis ist! Von Spaß und Freude wird man nicht satt! Ich kann Deine Wut gut verstehen!
    Aber lass Dich nicht unter kriegen, das sind Einzelfälle! Ein Ar…. auf 100 nette Menschen ist ne gute Quote! Kopf hoch, weiter machen
    Viele Grüße, Cornelia (cobo_kreativ)

  6. Liebe Judith,

    als Mediengestalterin kenn ich das Gefühl auch zu gut. „Du kannst doch gut zeichnen“ „Kannst du nicht eben schnell mal ein Logo entwerfen?“ „Könntest du das Bild dir mal anschauen?“ Gerade bei Freunden oder Arbeitskollegen sagt man da gerne mal ja und man bekommt ja auch oft was dafür zurück (was nicht Geld seien muss)
    Beim Lettering ist es das selbe.

    Wenn aber jemand daran Geld verdient oder das damit vorhat muss man eine Grenze ziehen! Die Grenze mag nicht klar umrissen sein, aber manchmal muss man halt einfach sagen: “ Ja mache ich, aber das kostet dann halt XY“. Entweder wird der derjenige bezahlen oder nicht. Sei dir bewusst, dass deine Arbeit einen Wert hat auch wenn es „nur“ ein „Hobby“ ist!

  7. „Lustig“, dass ich gerade jetzt über dieses Thema hier gestolpert bin, denn ich überlege zur Zeit, einen Artikel mit der Überschrift „untergegangenes Wort: Danke“ zu schreiben.
    Ich stelle nämlich auch ständig fest, dass viele Zeitgenossen es offensichtlich für selbstverständlich halten, von anderen geldwerte Leistungen geschenkt zu bekommen – und dafür nicht mal ein Danke übrig haben.
    Oft rede ich mir ein, dass mein Unmut darüber daher kommt, dass ich ein ganz persönliches Wertschätzungsproblem habe. Deinem Artikel aber entnehme ich, dass ich damit nicht allein dastehe.
    Ich schenke gern, aber ich freue ich auch sehr, wenn das Geschenk wertgeschätzt wird, indem der Beschenkte in angemessener Form darauf reagiert. Mit „danke“ zum Beispiel.
    In dem von dir geschilderten Fall mit dem handgeschriebenen Logo sollte der Beschenkte eigentlich von allein darauf kommen, dich nach einem Honorar zu fragen bzw. dir ein Honorar anzubieten. Zumindest aber in gebührender Form das anfangs zugesagte Shoutout zu machen.
    PS: Vielleicht sollten wir weniger (ver)schenken, sondern unsere Leistung selbst als geldwert ansehen und ein Honorar vereinbaren.
    Viele Grüße vom Ammersee – Renate

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