Das Instagram Paradoxon

Eigentlich – ihr werdet euch vielleicht erinnern – hatte ich geplant meinen Blog abzuschalten und gerade noch rechtzeitig ist etwas passiert, das mich wirklich dazu motiviert hat, noch einmal einen Beitrag zu schreiben.

Immer wieder ist es bei mir und bei anderen Thema, dass Instagram und sein geheimnisvoller Algorithmus zu Unzufriedenheit führt. Eigentlich war ich der Meinung, das einigermaßen im Griff zu haben. Ich meinte damit im Reinen zu sein, dass Bilder mal besser mal schlechter sind und ankommen. Gestern ist es wieder passiert. Ich habe ein Bild online gestellt, bei dem ich mich auf neues Terrain gewagt habe. Gerade jetzt mitten im Dezember habe ich es gewagt eine Blume nach Vorbild einer Künstlerin zu erstellen. Und dann passierte, was passieren musste: Obgleich es (hoffentlich auch objektiv) ganz gelungen scheint, hat es auch jetzt keine 200 Herzchen. „Mensch“ wird der eine oder die andere jetzt sagen „200, die hätte ich auch mal gerne. Ich kann das verstehen, möchte aber an dieser Stelle nochmal auf die Anzahl der Abonnenten verweisen. Da müsste ja eine Parallele auszumachen sein. Dies ist für mich ein Instagram-Paradoxon, dem nicht nur ich immer und immer wieder begegne, sondern auch andere Leute mit großen und kleinen Accounts.

Und so fragte ich mal in meiner Story, welche Erfahrungen ihr gemacht habt. Einerseits interessierte mich das hinsichtlich des Gefühls, dass „Herzensbilder“ gefühlt irgendwie immer in der Unendlichkeit des Insta-Universums verschollen gehen. Andererseits aber auch worin ihr mögliche Gründe seht.

Eure Antworten waren total spannend und führten zu dem ein oder anderen Quatsch-Plan (Wir gründen eine Telegram-Gruppe und verbreiten Verschwörungstheorien). Auch gut gefallen hat mir der Reim „Auf Insta reimt sich finsta“.

 

Dennoch hat jede und jeder eine Idee von Gründen. Die möchte ich euch hier vorstellen.

 

Erwartungen

Eine der ersten Mails, die mich erreichte, war diejenige, in der die Schreiberin einen Zusammenhang mit den Erwartungen herstellte. Ich antwortete, dass ich im Prinzip ja wenig Erwartungen an die Interaktion hätte, diesmal die Unterirdischkeit negativ hervorzuheben sei. Nein, schrieb sie. Es wären nicht nur die Erwartungen von mir an andere, sondern auch die der anderen an mich. Und das stimmt. Dieses Bild war ganz anders, die Erwartungen wurden nicht erfüllt. (Wobei mich mal interessieren würde, welche Erwartungen die Menschen so an meinen Content stellen)

 

Zeit

Eine Nachricht vermutete, dass der gewählte Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht der passende gewesen sein könnte. Dann würden wenig Leute interagieren und das Bild würde noch weniger Leuten gezeigt.

Das ist durchaus möglich. Ich war aber noch nie eine, die ihre Veröffentlichungszeit anpasst.

 

Bekanntes für das Auge

Eine Hypothese meinte, dass sie glaubt, dass Bekanntes häufig erfolgreicher zu sein scheint. Bilder bzw. Motive, die dem Mainstream entsprächen, würden als weniger „schön“ beurteilt.

 

Visuell schön aufbereitet

Das Bild allein, meinen einige, sei gar nicht allein ausschlaggebend, sondern es müsse auch schön angerichtet sein. Ähnlich wie  bei einem leckeren Gericht, äße auch hier das Auge mit.

 

Emotionale Bezüge

Einige Antworten bezogen sich auf die Intransparenz des Fremdbewusstsein (toller Begriff, gell?! Hab ich vor Jahrzehnten mal an der Uni gelernt, mochte ich schon damals). Der jeweils andere sieht die Bezüge, die Mühen, die Schwierigkeiten nicht, die der Schaffende mit dem Bild verbindet. Gleichzeitig ist es aber auch möglich, dass das Werk, den emotionalen Punkt des anderen nicht trifft. Ein Äquivalent dazu ist die subjektive Wahrnehmung, dass wenn man beispielsweise eine neues Auto hat urplötzlich unfassbar viele Autos dieses Typs herumfahren. Wenn meine Gefühlswelt also zu dem Bild passt, fällt es mir eher auf und bekommt ein Like.

 

Authentizität

Bilder, die schnell entstehen, könnten authentischer wirken. Vielleicht weniger gekünstelt, weniger like-heischend, einfach echter. Hierzu passt auch die Hypothese, dass „Unperfektes“ dem Betrachter und selbst Kunstschaffenden das Gefühl vermitteln würden, das auch zu können.

 

Das waren eure Gedanken dazu. Hier kommen schnell noch meine:

 

Reichweite

Die Reichweite ist meiner Ansicht nach der Schlüssel zum Glück. Die Reichweite ist auf Businesskonten einsehbar und beschreibt die Anzahl der Konten, denen ein Bild nach der Veröffentlichung gezeigt wird. Allein von der Beobachtung der Zahlen fällt mit folgendes auf: Zunächst wird es einer kleinen Menge an Konten gezeigt. Dies scheint einerseits über die Startseite zu geschehen, also Konten, die mir folgen sehen mein Bild. Aber auch über Hashtags, Orte oder über dem Besuch des Profils können Instagram-Nutzer den Beitrag sehen. Wird ein Beitrag oft geliked, wird er einer größeren Menge an Menschen gezeigt. Wenn diese dann interagieren, merkt Instagram, dass der Beitrag Gefallen findet und teilt das weiter.

Die Anzahl der Likes steht also nicht in einem leeren Raum sondern ist immer abhängig von der Reichweite und sollte stets in dem Zusammenhang bewertet werden. Das heißt 200 Likes bei einer Reichweite von 10.000 sind weniger gut als 200 Likes bei einer Reichweite von 1000. In irgendeinem anderen Blog habe ich mal gelesen, dass 10% Interaktion mit einem Beitrag gut seien. Wenn also 1000 Leute mein Bild gesehen haben, sind 100 Likes als gut anzusehen.

 

Jahreszeitliche Komponente

Zu den oben beschriebenen Aspekten möchte ich außerdem die jahreszeitliche Komponente ergänzen. Mir scheint es, als würden Bilder, die zu der jeweiligen Jahreszeit passen (jetzt gerade ist das wohl alles zum Thema Weihnachten) und gerade in sind (vielleicht durch Challenges und damit auch abonnierte Hashtags) erfolgreicher sein, als andere. Versucht habe ich das noch nicht. Meine Magnolien allerdings, die heute auschlaggebender Punkt bei der Erstellung dieses Beitrags waren, würden nach dieser These erfolgreicher im Frühling sein. Vielleicht versuche ich das mal 😉

 

 

Festzuhalten bleibt, dass wirklich, wirklich viele Leute ähnliche Erfahrungen mit Insta gemacht haben. Die Antworten kamen von Konten mit vielen Followern, mit wenig Followern, privaten Accounts, öffentlichen Accounts. Allen gemeinsam ist ein großes Unverständnis der Willkür eines Algorithmus ausgeliefert zu sein. Alle wünschen sich ein positives Feedback.

 

Was also können wir tun?

Einerseits finde ich, dass wir akzeptieren müssen, dass es ist wie es ist. Wenn wir diese Plattform nutzen, erklären wir uns implizit einverstanden dieses Spiel zu spielen. Das ist zwar an manchen Tagen frustrierend. Ich gehöre auch zu den Menschen, die ihr Leben nicht (mehr) an Instagram anpassen wollen. Das macht mich manchmal traurig, weil ich dann das Gefühl habe, dass den Menschen meine Bilder nicht gefallen. Sobald ich mein Hirn einschalte, weiß ich aber, dass es nicht so ist. So, so viele Faktoren kommen dazu. Das was Instagram will ist, dass man viel Zeit dort verbringt (denn nur so sieht man die Werbung und nur so verdient Instagram Geld).

Für uns User bleibt nur die Interaktion mit anderen. Gönne den anderen ein Herz. Gönne den anderen ein paar nette Worte. Sicher ist nämlich nur eins: Jeder kann den anderen genau dadurch Freude bereiten. Und das macht doch am Ende am glücklichsten.

 

3 Gedanken zu „Das Instagram Paradoxon

  1. Du hast es wieder getan! Und es war mir eine Freude mal wieder auf deinem Blog etwas neues zu lesen… vielleicht kommt da doch noch einmal ab und an was?
    Bleib gesund, ich drück dich!

  2. Ein schöner Beitrag, Ju. Ich habe ihn sehr genossen! Wir sitzen alle im selben Boot und du hast recht: der Austausch ist am Ende doch das wichtigste! Steh auf jeden Fall weiter zu deinen tollen Werken und zeig sie uns mit Stolz! Fühl dich gedrückt!

  3. Ich bin heute zum ersten Mal auf deinem Blog gelandet, weil mich das Lettering-Thema jetzt interessiert, bin sozusagen ganz neu dabei. Hoffentlich bleibt mir dein Blog noch Weilchen erhalten…..
    Und zum Thema Insta kann ich nur sagen – mich nervt es eher, als das ich irgendeinen Mehrwert für mich da draus ziehen kann. Ich bin nur zu Insta gekommen, weil mein Patenkind (14 Jahre) mal im whatsApp Status um likes bei gebeten hat für ihre künstlerischen Arbeiten. Vielleicht bin ich auch langsam zu alt für sowas. Ich lese lieber Blogs, schaue bei youtube oder facebook in diversen Gruppen. Und manchmal brauche ich auch einfach etwas Detoxing von dem ganzen Socialmediakram……
    Liebe Grüße
    Verena

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