Parallelpen

Liebe Handletterer,

Ihr wisst sicherlich, dass ich an diesem Hobby besonders liebe, dass es unfassbar viele Möglichkeiten gibt, seiner Kreativität Ausdruck zu verleihen. Leider beherrsche ich nicht alle Möglichkeiten gleich gut, daher bin ich ausgesprochen glücklich, dass die fabelhafte Kät @kussikat sich bereit erklärt hat uns ein bisschen was über den Parallelpen und dessen Anwendung zu schreiben. Dieser unterschiedet sich meiner Ansicht nach fundamental von der Handhabung anderer Stifte in der Letteringwelt. Wer sich noch eingehender darüber informieren will, als es im Rahmen dieses Blogs geschehen kann, dem empfehle ich dieses Buch von David Harris, der die Grundlagen was Haltung des Stifts, die Winkel, die Grundstruktur der Buchstaben und Linienführung angeht.

Nun gebe ich aber Kät das Wort 🙂

 

Hallo zusammen!

 

Die liebe Judith von @iletterju hat mich gebeten, für ihren Blog einen Gastbeitrag zu schreiben. Ich fühle mich geehrt und hab mich nicht „nein“ sagen hören. Ich freue mich also wie Bolle, Euch in meinem Gastbeitrag den Pilot Parallel Pen vorstellen zu dürfen.

 

Besagter Pen ist ein Kalligrafiewerkzeug, das die Strichmerkmale eines Automatic Pens oder einer Bandzugfeder mit der bequemen Handhabung eines Füllfederhalters verbindet. Für Freunde von „Gothic-Script“ oder „Blacklettering“ wird er daher schnell zum bevorzugten Tool. Zum „Must Have“ – wie das heute heißt 😉

 

Er heißt Parallel Pen, weil die Metallplättchen, durch die die Tinte läuft, parallel zueinander liegen.   Hierzulande am gängigsten ist er von der Marke Pilot (daher im Folgenden auch „PPP“ genannt). Es gibt ihn in vier verschiedenen Strichstärken: 1,5 mm; 2,4 mm; 3,8 mm und 6,0 mm.

Ich bin mit dem 6 mm Pen gestartet, dazu kam schnell der mit 3,8 mm Strichstärke. Mehr brauche ich für meine Zwecke bisher nicht.

Die Kosten liegen ca. zwischen. 10,- und 15,- €, je nach Anbieter. Mit dem Pen kommen in der Regel zwei Tintenpatronen (schwarz und rot). Diese kann man nachkaufen oder mit etwas Geschick auch mithilfe einer kleinen Spritze selbst befüllen. Ich nehme dafür gern die Ecoline Wasserfarben. Man kann den Stift auch mit einer Farbe betanken und die Spitze in eine zweite Farbe dippen und so tolle Farbverläufe erzielen.

Wie beim Füller läuft die Tinte permanent nach und der Strich ist schön gleichmäßig. So kann man sich komplett auf das Schreiben konzentrieren ohne z.B. die Bandzugfeder ständig neu betanken zu müssen und dann kommt am Anfang so viel Tinte raus und kleckst und dann kommt nix mehr aber grad war der Schwung so gut – verdammt ……… kennt das jemand?!

 

Durch seine Schreibeigenschaft eignet sich der PPP bestens für Fraktur- und Unziale-Schriften in allen Variationen. @alicecalligraphy lettert damit sogar 😉

Anders als beim Pinselstift variiert die Strichstärke hier nicht durch den Druck, sondern durch den Winkel der Schreibspitze zum Papier. Wer schon mal mit der Bandzugfeder gearbeitet hat weiß, was ich meine (ist nämlich schwer zu beschreiben, merk ich gerade :-))

Bei den oben genannten Schriftarten ergibt sich die Strichstärke aber in den allermeisten Fällen ohnehin aus der Strichrichtung und das Ergebnis sieht „zwangsläufig“ richtig aus.

 

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Wenn man die „Grundstriche“ ein bisschen beherrscht, kann man anfangen, zu spielen. Z. B kann die Feder des PPP seitlich beim ziehen etwas „gelupft“ werden, dadurch entsteht eine interessante Brüchigkeit im Strich – besonders geeignet, um Großbuchstaben auszuschmücken. Da ist erlaubt, was gefällt. Es gibt sogar Freaks, die ihre PPPs mit Dremel und Schmirgelpapier modifizieren, um weitere Effekte zu erzielen – das hab ich mich aber noch nicht getraut.

 

 

 

Wer sich mit diesen Schriften und dem PPP beschäftigen möchte, dem lege ich wärmstens den Instagram-Account und den dazugehörigen Blog von @jakerainis ans Herz. Seine Beiträge sind wunderbar, fundiert, informativ und inspirierend. Bei ihm gibt es z. B. auch Tipps über Proportionen, Buchstabenhöhen, Abstände undundund….

 

Gut mit dem PP umgehen können auch die folgenden Accountinhaber auf Instagram: @frak_one, @remrk, @sachinspiration oder @paindesignart – um nur einige zu nennen. ABCs zum Nachschreiben und Üben findet ihr auch auf Pinterest unter den Suchbegriffen Fraktur oder Blackletter.

 

Judith hatte die Idee, dass ich Euch ein Beispiel-Alphabet an die Hand gebe. Mach ich gerne. Ich habe mich für eine Unziale entschieden (nach A. Lux, gesehen auf Pinterest). Bei diesem ABC habe ich den Stift immer gleich gehalten, die Strichbreite ergibt sich allein aus der Richtung. Nur bei „E“, „F“ und „Z“ hab ich für den Querstrich den Winkel meiner Hand etwas verändert und der Schwanz beim „Q“ hat seinen Schnicks durch langsames Kippen der Feder nach oben bekommen.

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So – ich hoffe mein Beitrag hat Euch gefallen. Danke Judith für Deine Einladung!

 

Alles Liebe, Eure Kät

 

Ich danke auch ❤