Fünf Erkenntnisse aus dem Jahr 2017

Liebe Leserschaft,

„Zwischen den Jahren“ beschreibt den Zeitraum, in dem wir uns gerade befinden. Man schließt ein Jahr ab, lässt es gedanklich Revue passieren und überlegt sich, was sich im neuen Jahr ändern kann oder muss.

Erste Erkenntnis über das Geben, Nehmen und Bekommen

Nachdem ich 2016 recht naiv in das Bloggerleben gestartet bin, hat sich das im Laufe dieses Jahres ein wenig zurecht geruckelt. Mir war beispielsweise vorher nicht klar, dass ich als Bloggerin einen Presseausweis beantragen kann und dadurch auf Messen berichten kann. Hin und wieder kam es auch vor, dass Firmen mir Produkte zum Testen geschickt hatten mit der Bitte einen Blogbeitrag zu schreiben. Etwas irritierend finde ich allerdings die Schnorrerhaltung, mit der einige auf die Suche nach „Kooperationen“ gehen. Wenn ein Feed nur noch aus Werbung und eine Story nur noch aus Päckchen auspacken besteht, dann ist das für mich so, als würde ich eine Dauerwerbesendung schauen. Es mag daran liegen, dass ich im Verhältnis zur instawelt recht alt bin.

Zweite Erkenntnis über digitale Nähe

Diese Gutgläubigkeit, mit der ich in diese Socialmediawelt gestartet bin, hat mich im letzten Jahr viel Abgrenzungskompetenz gekostet. Ich bin mit einer Gruppe von Menschen in Kontakt gekommen, die mir zunächst das Gefühl gaben, dass es sich hierbei wirklich um eine Gruppe handelt und ich hätte wirklich alles für diese Menschen gegeben. Mittlerweile weiß ich, dass ich einem Trugschluss zum Opfer gefallen bin. Am Ende ist sich jeder da selbst der nächste gewesen. EDIT: Diese Formulierung führte zu Irritationen. Daher formuliere ich um: Am Ende habe ich es so wahrgenommen, dass anderen die Gesamtheit der Gruppe weniger wichtig war als mir. Wer sich schon mal im Online-Dating versucht hat kennt das Gefühl sicherlich. Man strickt sich ein Bild von dem Gegenüber und kaum, dass man sich sieht zerplatzt die Wunschvorstellung wie eine Seifenblase. Nichtsdestotrotz sind diese Menschen nette Menschen, es geht vielmehr um die Bedeutung, die ich der Gruppe beigemessen habe. Diese Erkenntnis und die innere Umdeutung waren das, was es zu einer Herausforderung gemacht haben.

 

Dritte Erkenntnis über die generelle Bedeutsamkeit

Ich gestehe, ich bin Mitglied einer Engagementgruppe. Ziel dieser Gruppe war es zunächst die individuelle Reichweite der Insta-Beiträge durch Kenntnis des Algorithmus so zu beeinflussen, dass jede/r mehr Likes etc. bekam. Kleines Fazit: Es funktioniert. Aber auch hier stellt sich mir die Frage: Wie viel Bedeutung gebe ich als Judith, die das hobbymäßig betreibt, dem Erfolg auf Instagram.

Ja, ich freue mich über jedes Herzchen und über jeden Kommentar. Jedes Mal werden ganze Eimer an Botenstoffen ausgeschüttet und überschwemmen mein Gehirn mit Dopamin. Das Funktionieren des Engagements setzt allerdings voraus, dass alle Teilnehmer mehr oder weniger bereit stehen, um unmittelbar nach Erscheinen des Bildes zu reagieren. Wenn sich das Zeitfenster schließt, haben die Kommentare und Likes nicht mehr diesen Einfluss. Ich glaube, den anderen der Gruppe geht es in der Zwischenzeit genauso und die Bedeutung hat sich verschoben, hin zu einer angenehmen Form des Aufeinanderaufmerksammachens. Das ist ein Grad an Verpflichtung, der sich mit dem Rest meines Lebens, besonders außerhalb der Ferien gut vereinbaren lässt.

 

Vierte Erkenntnis über das Dranbleiben

In regelmäßigen Abständen frage ich mich, ob ich das nicht alles bleiben lassen soll, allerdings – das gebe ich freimütig zu – macht mir das Bloggen wirklich Spaß. Das ist wohl der Grund warum ich die ganze Zeit über drangeblieben bin. Ich habe nicht aufgegeben. Nicht beim Bloggen, nicht beim Lettern, nicht beim Parallelpenschreiben. An sich ist das eine wichtige Lebenserkenntnis, einfach weiter zu machen und die Freude daran zu genießen. Zu merken, dass sich Kompetenzen entwickeln und das Tun nicht auf der Stelle steht, sondern sich – mal schneller und mal langsamer – entwickelt. Das ist alles gut so wie es ist.

 

Fünfte Erkenntnis über die Freude

In meinem Blogbeitrag über das Erscheinen eines Letterings in der Flow im Oktober, habe ich mich ja ausführlich über Stolz und die Freude ausgelassen. Ich habe mich aber wirklich über noch mehr Dinge gefreut. Das erste Läddergängtreffen in Stuttgart war wirklich sehr aufregend. Außerdem hab ich wunderbare hessische Mädels kennen gelernt beim Treffen der hessischen Läddergäng, mein erster Kreativweltbesuch mit Presseausweis und leichter Kaufeskalation, das Erscheinen eines kleinen Beitrags bei Otto – gemeinsam mit anderen Handletteringsbloggern, eine enorme Masse an Teilnehmern bei der #ilettertoochallenge, die eine Namensergänzung hatte und ganz viele nette, unterstützende Nachrichten und Kontakte zu Euch hier! Danke ❤

 

Ausblick

Wie soll es also im kommenden Jahr weitergehen?

In meinem Kopf gibt es viele, viele Ideen, über deren reale Umsetzungsmöglichkeiten ich mir noch nicht ganz im Klaren bin was die rechtlichen Voraussetzungen und die finanziellen Möglichkeiten angeht. Ich möchte die Handletteringchallenge weiter machen und bin heilfroh, dass die Läddergängster mit ihren Ideen zum Be- und Entstehen der Challenge beitragen.

 

Danke

Ich danke Euch ganz herzlich, dass Ihr den Blog gelesen habt, mich bestärkt und diskutiert habt. Danke für Eure Unterstützung, Euren Zuspruch, Euer Mut machen und Euren Großmut das Unperfekte hier zu ertragen. Und weil das so großartig ist, bedanke ich mich mit einem kleinen Geburtstagskalender zum kostenlosen Download. Ich wünsche Euch ein wunderbare neues Jahr und hoffe wir sehen uns ❤

Judith

deckblatt

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Der Tag, an dem ich wegen des Folierens beinahe meinen Verstand verlor.

Liebe Leser,

die Socialmediagemeinschaft neigt dazu sich selbst immer als herrlich und vollkommen dazustellen. Alles sieht wunderschön aus und zuweilen grabschen die langen Klauen des Neids nach einem, nicht im missgünstigen Sinne, sondern vielmehr im ach-das-könnte-ich-auch-gern-Sinne. „Der Tag, an dem ich wegen des Folierens beinahe meinen Verstand verlor.“ weiterlesen

Drei großartige internationale Letteringkünstler*innen

Liebe Leser,

handletternde Männer sind im Bereich des Hobbyhandletterings eigentlich eher selten. Von daher ist es mir eine große Freude unter den heutigen drei internationalen Handletteringkünstlern immerhin einen Mann dabei zu haben. Die beiden Damen werden Euch sehr wahrscheinlich bekannt sein, macht aber nichts, ich finde sie so toll, dass sie hier einen Platz haben sollen ❤ „Drei großartige internationale Letteringkünstler*innen“ weiterlesen

Ich feier mich mal kurz selbst.

Lieber Letterer,

in einer Zeit, in der alles immer noch besser, noch perfekter und leistungsstärker sein muss, fällt es manchmal schwer zu sagen „Ja, das habe ich gut gemacht.“ Meistens neigen wir dazu uns selbst negativ zu betrachten. Zu dicke Oberschenkel, zu wenig Sport, zu viele Kohlehydrate, da hätte ich noch ein bisschen, usw.   „Ich feier mich mal kurz selbst.“ weiterlesen

Insta und das echte Leben

Einen wunderschönen Sonntag wünsche ich Euch 🙂

Als ich angefangen habe Instagram instensiv für die Präsentation von Handlettering und Brushlettering zu nutzen, war ich immer schon sehr beeindruckt, dass die Menschen einander vertraut waren. Es gab Instagramer, die andere mit ihrem echten Vornamen ansprachen und Dinge aus dem echten Leben wussten. Je länger ich jedoch in der Instawelt unterwegs war, desto mehr Vornamen kannte ich auch, ich bekam Post von Menschen, die ich noch nie gesehen hatte, die Kontakte verlagerten sich auf Whatsapp und dann habe ich mich tatsächlich mit diesen Menschen getroffen.  „Insta und das echte Leben“ weiterlesen

Feedback

Ihr Lieben,

 

ich hatte kürzlich erzählt, dass ich Euch zuweilen an meinen Gedanken oder unbeantworteten Fragen teilhaben lassen möchte. Heute ist wieder so ein Tag, an dem mir etwas – wie schon so oft – durch den Kopf geistert und letztendlich nach Abgrenzung schreit. „Feedback“ weiterlesen