Von der Kunst des Unperfekten

Ihr Lieben,

der Umgang mit Fehlern hat mich ja bereits im Artikel „Fehlerjäger“ beschäftigt. Folgende Geschichte hat mich noch einmal darüber angeregt darüber Nachzudenken.

Zu meinem Geburtstag bekam ich von Tanja und Nina das Buch „Von Männern und ihren Katzen – Die größten Katzenliebhaber der Geschichte“ von Sam Kalda geschenkt. In diesem Buch stellt der Autor unterschiedliche berühmte Männer und ihre Liebe zu Katzen vor. Hier finden sich Berühmtheiten wie Bukowski, Lagerfeld und Hemingway und nicht nur die Art des Geschriebenen ist faszinierend, sondern auch die Illustration. Das Buch ist also schön für Herz und Auge. Aber das allein wäre noch keinen Blogartikel wert (zumindest nicht in diesem Blog).

 

Das Unperfekte als Kunst

Das, was mich dazu bewegt hat, darüber zu schreiben ist das Kapitel über Andy Warhol.

Zu Beginn seiner Karriere war Andy Grafiker in New York und wohnte recht beengt. Anfang der 1950er Jahre zog seine Mutter zu ihm und das Wohnen wurde noch beengter. Die beiden vereinte neben der Liebe zur Kunst auch die Liebe zu Katzen. Nachdem die beiden zu dem bereits vorhandenen Kater Sam eine Katzendame geschenkt bekamen, entstand schnell eine recht große Katzenkolonie, deren tierische Mitglieder nahezu alle den Namen Sam trugen.

Warhol und seine Mutter erarbeiteten gemeinsam ein illustriertes Katzenbuch. Der Künstler gestaltete die Katzenbilder und seine Mutter letterte Texte dazu. Das Buch trug den Titel „25 Cats Name Sam and One Blue Pussy“. Eigentlich sollte das „Named“ heißen, aber Mrs. Warhola vergaß das d am Ende. Andy gefiel der Fehler und er ließ ihn stehen, weil er ein großes Interesse an künstlerischer Unvollkommenheit hatte.

 

Vielleicht…

Diese Tatsache hat mir sehr gefallen. Unser Streben nach Perfektion – egal ob im Handlettering oder im Leben – steht vielleicht der Kunst gegenüber. Mich hat diese Episode dazu bewegt auch das Unperfekte als Kunst anzunehmen, weil im Perfektionismus – vielleicht – nicht die Kunst übrigbleibt, sondern nur die Technik. Gerade das Unperfekte, das Wilde, das Unfertige erscheint mir oftmals viel reizvoller als das Perfekte. Und wer weiß, vielleicht werden unsere fehlerhaften Werke dann irgendwann auch für 40.000 Euro versteigert, wie das Buch von Andy Warhol und Mrs. Warhola. Vielleicht.

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